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Sonja Lorenz

Dipl. Psychologin &

Systemischer Coach

 

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Ich bin dann mal offline

  

Ich bin dann mal offline… so ging es mir vor kurzem. Ungewünscht, ungeplant und irgendwie unpassend.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die 24/7 online und erreichbar sind. Durch Coachings, Workshops und Seminare ist mein Handy ohnehin oft eher mein stiller Begleiter, ebenso wenn ich mit meiner Hündin unterwegs bin. Mails rufe ich regelmäßig aber gezielt ab und die sozialen Medien nutze ich, aber nicht permanent. Wenn man so will, bin ich regelmäßig gezielt „offline“. Das tut mir gut und verpassen tue ich trotzdem nichts. 

Doch dann das: Ich war unterwegs und mein Handy stürzte komplett ab. Nichts ging mehr. Beim nächstgelegenen „Fachhändler meines Vertrauens“ wollte man erst einmal versuchen, meinen Handy-Akku wiederzubeleben und so fand ich mich an eine Steckdose gebunden wieder. 

Was tut man in solchen Warteschleifen „normalerweise“? Mails checken, chatten, Facebook nach Neuigkeiten durchforsten, Sachen recherchieren, erledigen, notieren. Und was konnte ich tun: Nichts davon, da mein Handy weiter schlummerte. Mein Smartphone: Meine Kontakte, mein Kalender, mein Postfach, mein Telefonbuch, mein Notizbuch, meine Uhr, mein Internet, mein Tor zur Welt. Ich war wirklich selbst überrascht, dass mir in der ersten Viertelstunde laufend Dinge einfielen, die ich machen könnte (wo ich ja gerade Zeit hatte), und laufend erst im zweiten Moment klar war, dass das gerade nicht geht ohne mein Handy. Ich wollte doch noch ein Buch recherchieren – oder auch nicht. Die Kalkulation und das Angebot für das angefragte Seminar. Rückrufe. Ich war locker verabredet und wollte das noch abstimmen. Der Termin für nächste Woche. Fotos durchschauen. Mails. Die Wegbeschreibung.

 

Glücklicherweise hatte ich meinen guten alten Papierkalender dabei. Erstmal schrieb ich diverse Dinge auf, die mir durch den Kopf gingen – to do, to speak, to think about. Nach einiger Zeit saß ich einfach da und schaute dem allgemeinen Treiben um mich herum zu. Dabei wurde ich auch mehrfach merkwürdig beäugt. Einfach nur so dasitzen ist eben keine Selbstverständlichkeit. Wer tut denn sowas? Zum Glück hatte ich mein stummes Handy samt Ladekabel vor mir liegen. Das bot zumindest eine Erklärung. 

 

Zwischenzeitlich musste ich mehrfach beim Gedanken "an die gute alte Zeit" schmunzeln: Wie hat man das denn früher gemacht, ohne Handy? Ging ja auch. Sogar ganz gut. Aber da war es auch normal. Und man war darauf eingestellt. So wie ich, wenn ich bewusst offline bin. 

 

Mir fiel auch der „Kinder“-Geburtstag meines Patenkindes ein. Da hatten wir zum Beginn alle Handys eingesammelt. Das erste Entsetzen war groß. Auch für diese Kids kam der Handyverlust überraschend. Aber im Gegensatz zu meiner ungeplanten Auszeit lief das Alternativ- und Unterhaltungsprogramm unmittelbar an. 

 

Ob meine Freunde mich vielleicht schon versucht hatten zu erreichen, um die Verabredung festzuzurren? Aber ich konnte ja gerade ohnehin nichts daran ändern. Und die Zeit, als ich Telefonnummern auswendig kannte, ist lange vorbei. So hätte auch ein „Kann ich mal kurz von Ihrem Handy aus jemanden anrufen?“ nicht geholfen. 

 

Rückweg finden? Mein Orientierungssinn ist nicht der allerbeste und ich verlasse mich gern auf mein Navi, für das ich - wer hätte das gedacht - mein Handy nutze. Dann eben mal wieder die guten alten Schilder beachten, die so wunderbar den Weg weisen, und auch den Verkehrsfunk im Radio.

 

So saß ich eine Weile einfach nur da. Irgendwann auch ohne Zeitgefühl. Meine Anspannung ließ nach, meine Gedanken an zu erledigende Dinge wurden weniger – ich ließ mich von dem Treiben berieseln. Und ich dachte über verschiedene Dinge nach: Belangloses und Bedeutungsvolles. 

 

 

Mittlerweile bin ich nach 24 Stunden Auszeit und dank neuem Akku wieder online. Und erreichbar. Nicht immer, aber wenn ich möchte. Und ich muss zugeben, ich genieße es Smartphone und Co nutzen zu können, wenn ich möchte. Vielleicht sogar noch ein bisschen bewusster als vorher. Auch wenn ich weiterhin bewusste „Aus“-Zeiten genießen werde. 

 

 

Wenn du eine Weile offline wärst – einfach so, ohne Vorankündigung, unterwegs, an einem Ort ohne Alternativprogramm, ohne Buch in der Tasche, ohne vertraute Menschen um dich herum: 

  • Was würdest du tun? 
  • Was käme dir in den Sinn?
  • Was würdest du mit Papier und Bleistift tun?

 

 

Angenommen, du hast eine Stunde, in der du über ein Thema nachdenken kannst. Ein Thema, das dich beschäftigt. Für das du dir aber vielleicht bisher nicht viel Zeit genommen hast. Weil der Alltag es nicht hergab. Weil du dich lieber dem Alltag hingegeben hast. Weil es dich aus deiner Komfortzone bringen würde. Weil es vielleicht auch unangenehm ist oder unsicher. 

  • Was wäre es? 
  • Was sind deine Gedanken dazu? 
  • Was kannst du tun, damit es in deinen Alltag findet?

 

 

Was wäre, wenn du dir regelmäßig eine „Aus-Zeit“ nimmst?

 

 

 

Ab und an am offline sein.

Die eigenen Gedanken hören.

Der Stille lauschen.

Zur Ruhe kommen.

Sich besinnen.